DEUTSCHE GEDICHTE

INHALT

Auf dieser Seite finden Sie folgende Gedichte:

Ferdinand von Saar : Alter

Joseph von Eichendorff : Der alte Garten

Hoffmann von Fallersleben : In unseres Vaters Garten

Theodor Storm : Herbst

Theodor Storm : O bleibe treu den Toten

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ALTER

Das aber ist des Alters Schöne,
daß es die Saiten reiner stimmt,
daß es der Lust die grellen Töne,
dem Schmerz den herbsten Stachel nimmt.

Ermessen läßt sich und verstehen,
die eigne mit der fremden Schuld,
und wie auch rings die Dinge gehen,
du lernst dich fassen in Geduld.

Die Ruhe kommt erfüllten Strebens,
es schwindet des verfehlten Pein -
und also wird der Rest des Lebens,
Ein sanftes Rückerrinnern sein.

Ferdinand von Saar

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DER ALTE GARTEN

Kaiserkron und Päonien rot
Die müssen verzaubert sein,
Denn Vater und Mutter sind lange tot,
Was blüh’n sie hier so allein?

Der Springbrunn plaudert noch immerfort
Von der schönen alten Zeit,
Eine Frau sitzt eingeschlafen dort,
Ihre Locken bedecken ihr Kleid.

Sie hat eine Laute in der Hand,
Als ob sie im Schlafe spricht,
Mir ist, als hätt ich sie sonst gekannt -
Still, geh vorbei und weck sie nicht!

Und wenn es dunkelt das Tal entlang,
Streift sie die Saiten sacht,
Da gibt’s einen wunderbaren Klang
Durch den Garten die ganze Nacht.

Joseph von Eichendorff

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IN UNSERES VATERS GARTEN

In unseres Vaters Garten,
Da war´s noch gestern grün,
Da sah ich noch so mancherlei,
So schöne Blumen blüh´n.

Und heut ist alles anders,
Und heut ist alles tot;
Wo seid Ihr hin, ihr Blümelein,
Ihr Blümlein gelb und rot?

O, liebes Kind, wir schlafen
Nach Gottes Willen hier,
Bis er uns seinen Frühling schickt,
Und dann erwachen wir.

Ja, deine Blümlein schlafen !
So wirst auch schlafen du,
Bis dich erweckt ein Frühlingstag
Aus deiner langen Ruh´.

"Und wenn du dann erwachest,
O möchtest du dann sein,
So heiter und so frühlingsfroh
Wie deine Blümelein "

Hoffmann von Fallersleben

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HERBST

Schon in's Land der Pyramiden
floh'n die Störche über's Meer;
Schwalbenflug ist längst geschieden
und die Lerche singt nicht mehr.

Seufzend in geheimer Klage
streift der Wind das letzte Grün;
und die süssen Sommertage,
ach, sie sind dahin, dahin.

Nebel hat den Wald verschlungen,
der dein stillstes Glück geseh'n;
ganz in Duft und Dämmerungen,
will die schöne Welt vergeh'n.

Nur noch einmal bricht die Sonne,
unaufhaltsam durch den Duft;
und ein Strahl der alten Wonne
rieselt über Tal und Kluft.

Und es leuchten Wald und Heide,
dass man sicher glauben mag
hinter allem Winterleide
lieg' ein ferner Frühlingstag.

Theodor STORM

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O BLEIBE TREU DEN TOTEN

O bleibe treu den Toten
die lebend du betrübt;
o bleibe treu den Toten
die lebend dich geliebt!

Sie starben;doch sie blieben
auf Erden wesenlos,
bis allen ihren Lieben
der Tod die Augen schloss.

Indessen du dich herzlich
in Lebenslust versenkst,
wie sehnen sie sich schmerzlich
dass ihrer du gedenkst!

Sie nahen dir in Liebe
allein du fühlst es nicht;
sie schaun dich an so trübe
du aber siehst es nicht.

Die Brücke ist zerfallen;
nun mühen sie sich bang
ein Liebeswort zu lallen
das nie hinüberdrang.

ln ihrem Schattenleben
quält eins sie gar zu sehr
ihr Herz will dir vergeben,
ihr Mund vermag's nicht mehr.

o bleibe treu den Toten
die lebend du betrübt;
o bleibe treu den Toten
die lebend dich geliebt!

Theodor Storm

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